2. Ein Zwischen-Fall

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Letaron war genervt. Seit er die Caldaron-Morde geklärt hatte, konnte er nicht eine Nacht ruhig schlafen. Jedes winzige Verbrechen in seiner Nähe wurde ihm gemeldet, so dass er sich darum zu kümmern hatte. So auch diesmal.
Gemeinsam mit Ra’Zett befand er sich gerade in diesem Augenblick auf dem Weg zu einem der Tatorte. Ein Geschäftspartner des Verstorbenen hatte die Ermittlungen in Auftrag gegeben und er würde auch dafür zahlen. Sie konnten das Herrenhaus bereits erkennen in dem letzte Nacht der Gutsherr, ein Mann namens Orthokan verstorben war. In seinem von innen abgeschlossenen Gemach wurde er tot aufgefunden. Es fanden sich keine Spuren von Gewalteinwirkung. Ein natürlicher Tod konnte aber eigentlich ausgeschlossen werden, denn er erfreute sich bis gestern bester Gesundheit.
Die plötzliche Ganzkörpersteifheit konnte auf viele Ursachen zurückgeführt werden. Ra’Zett vermutete dass es sich um Gift handelte und Letaron musste ihm beipflichteten. Es war die sauberste und einfachste Lösung für einen Mörder. Er musste sich nicht in der Nähe befinden und es gab wenig bis keine Spuren.
Sie lenkten ihre Pferde in den Hof des Anwesens, wo sie bereits von einem Bediensteten erwartet wurden. Letaron konnte während der kurzen Zeit der Hofdurchquerung mehrere Dinge erkennen.
Zum einen waren außer dem Diener noch zwei Personen anwesend. Ein Priester in einer braunen Robe, der die Neuankömmlinge unverhohlen musterte und sich gleichzeitig Mühe gab, dass nicht auffiel wie er eine junge Frau anstarrte, welche im Garten neben dem Haus auf einer Bank saß. Sie hatte ihr Gesicht unter einer Kapuze verborgen. Eine halb verheilte Wunde an ihrer Hand deutete auf einen Zwischenfall hin, der nicht länger als ein paar Tage zurückliegen konnte.
Wieso hatte sie nicht die Dienste des Priesters in Anspruch genommen?
Das Andere, welches er bemerkte war, dass sich an einigen Stellen im Garten frische Erde befand. Sie lag um ein paar vertrocknete Kräuter herum.
Merkwürdigerweise wurden in diesen Tagen jedoch keine Pflanzen betreut. Sie befanden sich in Winterruhe und jede Störung konnte sie zum Absterben bewegen.
Sie saßen ab und übergaben die Pferde in die Obhut des Dieners, eines alten Nord, der wortkarg mit ihnen davon trottete.
„Was ist denn das für eine Begrüßung? Wo ist der Majordomus dieses Anwesens?“
Zögernd drehte sich der Alte noch einmal um. Er sah so aus als würden ihm die Fragen nicht behagen.
„Der Kammerdiener des toten Herrn ist mit den Beerdigungsriten beschäftigt. Er kommt bald zurück. Am besten wartet ihr im Salon, drinnen. Die Türe ist offen. Wer hat euch überhaupt gerufen?“
Die Ablehnung des Dieners ärgerte Letaron. Glaubte dieser Narr, dass er nichts Besseres zu tun hatte als bei dieser Kälte herumzureiten und den Tod eines Gutsherrn zu untersuchen, der ihn eigentlich nicht im Geringsten interessierte? Vielleicht hatte sich der Blödmann einfach nur überfressen und war tot umgefallen, so wie der Letzte bei dem er ermittelt hatte. Dann hatten sie ihm noch vorgeworfen er hätte keine Ahnung. Wenn das diese Mal wieder so war, dann würde er richtig ungemütlich.
Der Alte wollte sich schon wieder umdrehen und wegschlurfen als er erneut durch ein sehr energisches „Halt! Ich bin noch nicht fertig, Himmelarsch!“ angehalten wurde.
Jetzt konnte den Argonier nichts mehr stoppen.
„Also zunächst wirst du mich mit ‚Herr‘ anreden und zum Zweiten stelle ich hier die Fragen, ist das klar?!“
Der Nord, der sich gleich darauf mit Arleif vorstellte, hatte mit solch einem Ausbruch nicht gerechnet. Man sah ihm deutlich an, dass er schon etwas mehr Respekt vor den Neuankömmlingen hatte.
„Wie Ihr wünscht, Herr. Kann ich Euch noch irgendwelche Fragen beantworten oder soll ich mich nun um die Tiere kümmern?“
Das war schon besser.
„Ich hätte eigentlich nur noch drei Fragen. Wer ist die Frau, die dort im Garten sitzt und was macht der Priester hier? Wie viele Diener und Angestellte gibt es auf dem Gut?“
Letaron deutete in die Richtung in die der Braungewandtete vorhin verschwunden war.
„Wir sind insgesamt Neun. Die junge Dame ist die Tochter des Kammerdieners. Ihr Name ist Kira. Der Name des Priesters ist, glaube ich, Ungeir. Er arbeitet im Schrein der Mara in der Stadt. Er kommt uns oft besuchen. – Kann ich Euch sonst noch irgendwie helfen?“
Der Argonier winkte ab.
„Nein, das war vorerst alles. – Entschuldige bitte meinen Ton, ich bin ein wenig gereizt. Es ist nichts Persönliches.“
Der Alte grinste.
„Ich nehme die Entschuldigung an, Echse.“
Damit wandte er sich endgültig um und verschwand im Stall.
„Echse? – Unerhört!“
„Wäre dir ‚Kätzchen‘ lieber?“, fragte Ra’Zett lakonisch, der schon einige Erfahrung mit Nordbezeichnungen für die sogenannten Tiermenschen hatte.
„Nein, sicher nicht. Lass uns nach drinnen gehen, ich friere mir schon wieder den Arsch ab.“

Drinnen gefiel es den beiden schon deutlich besser. Es war warm und luxuriös eingerichtet. Der Salon entpuppte sich als großes, gemütliches Wohnzimmer. Mehrere bequeme Sessel standen um einen breiten Kamin. An den Wänden standen gefüllte Bücheregale. Auf dem kleinen Tisch direkt vor dem Feuer befand sich eine Schale mit frischem Obst.
Darauf hatten Letaron und Ra’Zett allerdings keinen Appetit, insbesondere dann nicht mehr als sie das Bild über dem Kamin sahen.
Ein fetter, unansehnlicher Kaiserlicher in bunten Kleidern war darauf abgebildet. Das musste Orthokan gewesen sein. Eine kleine, goldene Plakette darunter bestätigte den Verdacht.
„Der arme Mann! Was ist das da an der Seite seines Kopfes?“, entfuhr es Ra’Zett der dafür einen verständnisvollen Blick des Argoniers erntete.
„Ich glaube, das sind seine Ohren, mein Freund.“
Der Khajiit konnte sein Entsetzen kaum verbergen.
„Grundgütiger! Er konnte hier im Norden den Sand von Elsweyr rieseln hören.“
Sie konnten beide ihre Blicke nicht mehr von dem Bild lösen. Deshalb bemerkten sie den kräftigen Nord mit den silbernen, schulterlangen Haaren nicht, der hinter sie getreten war. Ein Räuspern riss sie aus ihren Gedanken.
„Ich bin Hernulf, der Kammerdiener des Verstorbenen! – Seid ihr die Ermittler?“
Beinahe gleichzeitig drehten sich die beiden Freunde um. Hernulf war ein typischer Nord. In seinen kantigen und vom Wetter gegerbten Zügen spiegelte sich die Last der Verantwortung wieder. Jetzt, wo der Gutsherr gestorben war, musste er sich um alles kümmern, solange bis jemand anders den Platz Orthokan’s einnehmen würde.
„Ja, die sind wir. Können wir nun den Tatort besichtigen? Ich hoffe es wurde nichts verändert?“
„Gewiss Ermittler. Folgt mir bitte. – Wir haben nichts angerührt.“

Hinter dem Kammerdiener erreichten sie über die Haupttreppe die oberen Stockwerke. Ganz oben befanden sich die Zimmer des ehemaligen Gutsherrn. Sein Schlafzimmer war groß, mit teuren Möbeln ausgestattet und gut geheizt. Von der schweren Holztür am Eingang war nicht mehr viel übrig, denn der Raum konnte nur durch sie betreten werden und laut Auskunft des Geschäftspartners schloss der Gutsherr immer hinter sich ab. Beim Eintreten auf der linken Seite befand sich die Auskleide an der noch alle Kleider hingen, geradeaus der massive Schreibtisch des Toten, direkt vor dem Fenster, welches geöffnet aber vergittert war, daneben zwei große Regale mit Büchern. Ein Stück weiter rechts stand ein Tisch mit der obligatorischen Obstschale, davor ein halbvoller Becher mit Nordwein.
An der rechten Wand schließlich kam das Bett. Es handelte sich, den Maßen des Besitzers entsprechend um eine massive Konstruktion. Man konnte deutlich erkennen, dass Orthokan auf der rechten Seite geschlafen hatte. Um das Bett herum lagen grüne Läufer.
Was dem aufmerksamen Argonier gleich auffiel war der Staub, der überall lag. Feiner weißer Staub.
„Bitte lass uns alleine! Wir werden uns ein wenig umsehen. Wo befindet sich der Verstorbene jetzt?“
„Er ist in der Kapelle des Akatosh aufgebahrt. Seinem Glauben entsprechend.“
Hernulf verabschiedete sich und schloss die Türe.
Letaron wandte sich an seinen Begleiter.
„Was denkst du?“
Dieser schien überrascht, dass gerade er gefragt wurde. Schließlich hatte er überhaupt keine Ahnung vom ermitteln. Trotzdem gab er sich Mühe eine nicht allzu abwegige These zum Besten zu geben.
Er ließ sich Zeit und nahm alles genau in Augenschein. Schließlich hatte er eine Theorie, eine nicht sehr spektakuläre aber immerhin.
„Also ich glaube nach wie vor, dass er vergiftet wurde. Wahrscheinlich der Wein. Er hat daraus getrunken. Ich denke er ist zu Bett gegangen und im Schlaf gestorben.“
Der argonische Ermittler wiegte den Kopf hin und her, ganz so als wäre ihm die Sache ein wenig zu einfach.
„Und wer ist es gewesen?“
Ra’Zett überlegte fieberhaft. Wer konnte die Gelegenheit haben und ein Motiv? Es fiel ihm nicht wirklich etwas Gutes ein.
„Der Mundschenk! Der hat den Wein eingeschenkt. Oder der Kammerdiener aber warum?“, antwortete der Khajiit kurzerhand, immer noch unentschlossen.
„Du hast instinktiv recht, auch wenn deine Beweise dafür dürftig sind.“
Letaron ging zum Tisch hinüber, schien sich kurz sammeln zu müssen und griff dann ohne weiter zu zögern nach dem Becher mit dem Wein und leerte ihn mit einem Schluck. Ra’Zett konnte so schnell überhaupt nicht reagieren. Nun allerdings setzte er sich in Bewegung. Mit einem gewaltigen Satz sprang er über das Bett, ohne es dabei zu berühren und schlug seinem Freund den Kelch aus der Hand.
„Bist du verrückt? Ich hole den Priester! Setz dich und bleib ganz ruhig! Wenn du dich zu viel bewegst, dann wirkt es schneller, und …“
Der Argonier hielt Ra’Zett allerdings am Arm fest. Sein Gesicht zeigte ein breites Grinsen.
„Keine Sorge! Ich weiß was es für ein Gift ist. Ich habe ein Gegenmittel bei mir aber ich glaube, dass es nicht nötig ist. Der Wein ist nicht vergiftet. – Außerdem scheinst du schon wieder vergessen zu haben, dass ich Argonier bin.“
Der Khajiit riss sich los. Man konnte ihm deutlich ansehen, was er von derlei Experimenten hielt.
„Verdammt! Du bist ein Idiot! Ich sollte dich übers Knie legen.“
„Dazu hast du später noch Zeit. Jetzt sorge erst mal dafür, dass alle sich im Salon versammeln. Ich werde den Fall dann auflösen.“
Der Katzenmann war fassungslos.
„Jetzt schon? Kannst du mir nicht wenigsten einen Hinweis gebe?“
Letaron ließ sich breitschlagen.
„Denk über folgende Dinge nach: Eine junge, schöne Nordfrau; einen Priester der Mara; einen dicken, hässlichen Gutsherren; einen liebenden Vater; einen versierten Gärtner; einen sehr eifrigen Kammerdiener und einen rachsüchtigen Totenbeschwörer. - Und fehlende Schuhe.“
Als sich der Khajiit nicht sofort bewegte fügte er mit Nachdruck hinzu: „Na los, worauf wartest du?“
Etwas verwirrt trollte sich Ra’Zett um die Versammlung einzuberufen. Wenn sich der Argonier doch einmal nur klar ausdrücken könnte.

Tatsächlich kamen alle. Sie saßen und standen. Sogar Ungeir, der Priester hatte sich zu ihnen gesellt. Wie ein Leibwächter stand er hinter dem Kammerdiener und seiner Tochter. Als der argonische Ermittler den Saal betrat verstummten die Gespräche und alle sahen ihn gespannt an.
Er wollte sie auch nicht länger als nötig auf die Folter spannen, denn es verlangte ihn nach einem guten Abendessen und wenn ihn nicht alles täuschte, so sollte er hier lieber darauf verzichten.
„Dann werde ich doch mal anfangen, nachdem schon alle so gespannt sind! – Ich denke, dass es sich folgendermaßen zugetragen hat: Vor ein paar Monaten kam ein neuer Priester hierher auf das Gut, Ungeir. Ich habe gesehen, als ich ankam, wie er Kira, Hernulf’s Tochter ansah. Ich denke, dass die beiden ein Paar sind. …“
Ungeir wollte protestieren, wurde aber von Letaron mit einer knappen Geste zum Schweigen gebracht.
„… Das ist nichts Verwerfliches, denn schließlich propagieren die Anhänger Mara’s die freie Liebe, weshalb auch ihren Dienern romantische Beziehungen gestattet sind. Der Gutsherr Orthokan war offenbar auch interessiert. Ich gehe davon aus, dass er nicht sehr überzeugend war. Daraufhin wurde er wohl etwas deutlicher. …“
Man konnte sehen wie Kira die Fassung verlor. Obwohl sie sich um Haltung bemühte war deutlich zu erkennen wie sehr ihr das Gesagte naheging. Ihr Vater nahm sie in den Arm um sie zu trösten.
„… Viel zu deutlich auch für meinen Geschmack und vermutlich mehr als einmal. Dabei verletzte er Euch schwer! …“
Letaron hatte sich direkt an Kira gewandt. Dabei versuchte er seiner Stimme einen beruhigenden und verständnisvollen Klang zu verleihen. Kira nickte leicht. Eine Träne kullerte ihre Wange hinunter. Auch Ra’Zett musste schlucken.
„So ein fetter Widerling!“, dachte er.
Währenddessen fuhr der Argonier schon fort.
„… Nun gab es zwei Personen, die an den folgenden Ereignissen beteiligt waren. Zum einen Ungeir, der Priester, der einen Leichnam besorgte um ihn aufzuwecken. Für einen Priester kein großes Problem. Dieser sollte in der Nacht Orthokan töten und danach zu Staub zerfallen. Letzteres hat er dann auch getan. Er zerfiel zu feinem, weißem Staub der durch den Luftzug des offenen Fensters im gesamten Schlafgemach verteilt wurde, allerdings ohne den Gutsherrn zu ermorden, denn dieser war schon tot. Getötet durch ein Gift, gewonnen aus Pflanzen im Garten und geerntet und verarbeitet von Hernulf, dem Kammerdiener. …“
Die Augen aller Anwesenden richteten sich auf Hernulf. Dieser zuckte mit den Schultern.
„Beweist es!“, antwortete er trotzig auf die Herausforderung des argonischen Ermittlers.
„Dazu wollte ich gerade kommen! Also den Wein oder die Früchte zu vergiften wäre zu augenscheinlich und auch zu gefährlich gewesen, denn auch ein anderer, nicht eingeweihter hätte davon essen oder trinken können. Wenn wir uns vorstellen was der Reihe nach geschah ist es möglicherweise einfacher zu verstehen …“
Eine kurze Pause entstand, die jedoch sogleich gefüllt wurde.
„… Orthokan geht in sein Zimmer und schließt die Türe ab. Danach entkleidet er sich und zieht sein Nachtgewand an. Er geht zum Bett, trinkt noch einen Schluck Wein und legt sich hin. - Danach stirbt er. Nicht aber weil er vom Wein getrunken hat oder weil er sein Schlafgewand anzog, sondern weil er barfuß über den Läufer ging, der vor dem Bett lag. …“
Bei diesen Ausführungen konnte man deutlich sehen, wie jede Farbe aus den Gesichtern von Hernulf, Ungeir und Kira wich.
„Wieso?“, fragte Ra’Zett dazwischen, wobei diese Frage dem Ermittler sehr gelegen kam.
„… Weil der Läufer nur ein paarmal im Jahr gereinigt wird. Alle anderen Dinge in dem Zimmer werden täglich von irgendjemandem berührt, nur der Teppich nicht. Außerdem fand ich keine Hausschuhe in dem Zimmer vor. Alle Zeit der Welt um die Beweise zu beseitigen, nachdem eine natürliche Todesursache festgestellt wurde, denn das Gift der grünen Korraga Verine ist flüchtig und kaum nachweisbar. Es wird aus der Wurzel gewonnen, deshalb die frische Erde im Garten. …“
Letaron ließ das Gesagte noch ein wenig einwirken. Verzweiflung zeigte sich in den Gesichtern der Überführten. Sie würde eine harte Strafe erwarten. Auch der Khajiit wurde unruhig. Er hatte das Herz am richtigen Fleck und es erschien ihm ungerecht, dass es späte Rache für ein derartiges Schwein geben sollte. Doch auch sein Freund war kein Egozentriker ohne Emotionen. Ganz im Gegenteil.
„… Was mich angeht, so verstarb der Gutsherr Orthokan am Genuss übermäßig fetter Speisen. …“
„Wie bitte, Was?“, stieß Ra’Zett ungläubig hervor. Alle anderen Anwesenden hielten den Atem an.
„… Ja, ich bin zu der Ansicht gelangt, dass er sich überfressen hat. Sein massiger Leib drückte in der Nacht auf sein Herz, weshalb er im Schlaf verstarb. Ein Heiler wäre unnötig gewesen, denn er war schon kalt als er gefunden wurde. Außer, dass in dem Zimmer mal wieder Staub gewischt werden müsste, fand ich nichts Ungewöhnliches vor, weshalb der gesamte Besitz des Verstorbenen in die Hände des kaiserlichen Interimsverwalters übergeht. Aus dem Vermögen müssen natürlich noch die Schulden an etwaige Geschäftspartner entrichtet werden. Die Angestellten werden sicherlich vom zukünftigen Besitzer übernommen oder finden eine andere Anstellung. – Punkt! Vorhang zu und Ende der Vorstellung.“
Noch einmal sah er sich in der Runde um. Einige blickten dankbar, andere ungläubig und Arleif, der alte Stallbursche nickte anerkennend.
„So sei es, Ermittler!“, sagte er bestimmt.

Letaron redete nicht viel, als sie zurückritten, bis er von Ra’Zett angesprochen wurde.
„Du hast richtig entschieden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dies einmal zugeben werde, aber du bist ein Genie und kein so übler Kerl.“
Der Angesprochene wirkte ein wenig nachdenklich.
„Ich wünschte, mein Verstand würde einmal Pause machen. Nur einmal! Ich konnte es einfach nicht mit ansehen, wie das Recht mal wieder über die Gerechtigkeit siegt. Ich muss sehr gut aufpassen, dass ich mich nicht zu weit von der Wahrheit entferne!“
Der Kahjiit winkte ab, dabei lächelte er.
„Zur Not kannst du ja auch wieder als Söldner oder Gelehrter anfangen.“
„Vielleicht sollte ich schon mal die Stahlrüstung polieren. Glaubst du, dass es eine undichte Stelle geben wird? Das einer sich dazu entschließt diese kleine Verschwörung aufzudecken.“
Jetzt war es an dem Katzenmann seinen Kopf hin und her zu wiegen.
„Sollte das so sein, dann überlass es ruhig mir. Es wird keine undichte Stelle geben, wenn sie wissen was gut für sie ist.“
Damit war alles gesagt. Es wurde eindeutig Zeit für das Abendessen.
Nur eine Bemerkung konnte sich Letaron nicht verkneifen.
„Außer Spesen nichts gewesen. Wenn wir immer so unproduktiv sind, dann enden wir einmal nicht sehr reich.“
Ra’Zett grinste verschwörerisch. Er streckte seine Hand aus und öffnete sie. Darin lag ein makelloser Brillant von der Größe einer Walnuss.
„Den habe ich gefunden. Er lag in der Nachtkommode des Gutsherrn. Glaubst du, dass er ihn noch brauchen wird?“
Jetzt grinste auch Letaron.
„Vielleicht muss ich demnächst noch einen Diebstahl aufklären? Wie hast du ihn so schnell erwischt? Ich habe nichts bemerkt.“
„Was hast du erwartet? Ich bin ein Khajiit. Der wird bestimmt ein paar hundert Septime einbringen. Gar kein schlechter Tagessatz, oder?“
„In der Tat. – Dann sieht es so aus, dass du das Abendessen bezahlen wirst.“
„Ist mir ein Vergnügen, Chefermittler.“

Ende