Wiegenlied der Sterne
Download: Wiegenlied der Sterne (ePub)
Kurzbeschreibung: Es geht um eine protheanische Datendisk mit seltenem Inhalt und ein beinahe geplatztes Geschäft.
„Und wer überprüft die Echtheit dieses Artefaktes?“, fragte Maximilian Strader, CEO der Nikosia-Gesellschaft den kleinen wieselhaften Mann, der neben ihm in der Starlounge auf der Citadel Platz genommen hatte. Es ging um ein scheibenförmiges, etwa zehn Zentimeter durchmessendes Objekt, welches sich in einem unauffälligen, schwarzen Koffer befand.
„Die Datendisk wurde von meinen Leuten verifiziert. Sie werden mir vertrauen müssen.“
Ethan Palan nahm einen Schluck Wein.
„Was meinen sie dazu Eltana?“
Die Asari warf einen kurzen Blick auf ihr Universalwerkzeug. Man sah ihr deutlich die Zweifel an aber durch eine so oberflächliche Untersuchung konnte sie auf keinen Fall ausschließen, dass es sich nicht um eine protheanische Datendisk handelte. Entsprechend unverbindlich fiel auch die Antwort aus.
„Es besteht eine dreißigprozentige Gefahr, dass wir für heiße Luft bezahlen, mehr kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Tut mir leid.“
„Na also, dann haben sie immer noch siebzig Prozent. – Was ist nun? Ich habe noch andere Geschäfte.“
Strader gab sich einen Ruck.
„Also gut. Eltana, bezahlen sie ihn.“
Ein paar eingetippte Zahlenreihen schlossen den Transfer von einhundertzwanzig Millionen Crediteinheiten ab.
Ethan Palan erhob sich aber nicht ohne vorher sein Weinglas vollständig zu leeren.
„Viel Spaß damit.“
Nachdem der zwielichtige, kleine Kerl gegangen war holte der terranische Geschäftsmann eine winzige, grüne Kapsel aus der Tasche und gab sie an die Asari. Als diese sie in die Hand nahm stellte sie fest, dass sie leer war.
„Sie sind ein flinker Mann. Ich habe es nicht mitbekommen.“
„Der miese Penner glaubt wir wären zu dumm um eine Fälschung zu erkennen und zu reich um hundertzwanzig Millionen zu vermissen. Diesmal kommt er nicht davon. Ich will diese Disk für die ich bezahlt habe und ich will sie gleich.“
„Die Ortung funktioniert aber wie sieht es mit der zweiten Komponente aus? Wie geht es weiter?“
Auch Strader griff jetzt zum Glas und schüttete den Inhalt in einen nahen Blumenkübel.
„Ganz einfach. Wir werden ihn aufspüren. Danach hat er zwei Möglichkeiten. Entweder er gibt uns wofür wir bezahlt haben oder er wird in seinem Versteck beerdigt. Ich habe diesen Kerl satt. Gehen wir zurück auf die SANTA MARIA und folgen dieser Ratte.“
Bei der SANTA MARIA handelte es sich um ein ausgemustertes, turianisches Schlachtschiff mit einer Länge von zweieinhalb Kilometern. Sie diente als transportable Basis. Außer der Hülle war nicht mehr viel wie früher. Durch die neuesten Technologien aufgerüstet hätte man mit der Feuerkraft der Geschütze einen kleinen Mond einäschern können. Die Besatzung bildeten Menschen, Asari und Turianer, allesamt Angestellte der Nikosia-Gesellschaft. Insgesamt lebten und arbeiteten auf der SANTA MARIA dreitausend vierhundertsechs Personen.
Maximilian Strader hatte sich in sein Büro zurückgezogen. Der Raum, den man auch ohne schlechtes Gewissen gut als Halle hätte bezeichnen können lag auf Deck zweiundvierzig, direkt unterhalb der Außenhülle. Durch eine transparente Kuppel konnte man die Sterne sehen oder den Hyperraum, ganz je nach dem wo man sich befand. Die beiden anderen Anwesenden waren Eltana T’Kary, die Assistentin des Industriellen und Sertarius, der Sicherheitschef der SANTA MARIA und gleichzeitig Freund und Leibwächter Straders.
„Wir empfangen eine klare Telemetrie unserer Spionsonde. Es sieht so aus als würde unser Freund zu den Terminus-Systemen reisen.“
Sertarius hatte bei der Erwähnung der Terminus-Systeme durch seine Kollegin Eltana sofort aufgemerkt.
„Viel zu unsicher. Man weiß nie wer sich dort so herumtreibt. Es wäre wesentlich besser eine Flottille Fregatten dorthin zu schicken. Sie könnten den Stützpunkt diese betrügerischen Furzes sichern bis wir mit der SANTA MARIA eintreffen.“
Sein Vorgesetzter musste in diesem Fall allerdings wiedersprechen obwohl er sonst sehr viel von der Meinung des Turianers hielt.
„Das wäre viel zu auffällig. Wir wissen von Cerberus Aktivitäten in den Terminus-Systemen. Ich will auf keinen Fall mit diesen Leuten aneinandergeraten. Sie sind egozentrischer Abschaum. Und sie sind gefährlich. – Diskretion ist sehr wichtig. Außerdem wird er nicht kämpfen wollen.“
„Woher wissen wir denn überhaupt ob dieses Zeug wie beabsichtigt wirkt oder ob er es nicht schon lange gefunden und neutralisiert hat. Dann wird er vielleicht kämpfen und wenn wir dann keine Unterstützung anfordern können oder diese nicht rechtzeitig eintrifft, dann sind wir in den Arsch gekniffen.“
Strader winkte ab. Natürlich hatte sein Wächter recht aber es blieb dabei.
„Es ist eine salarianische Arbeit. Es wird funktionieren. Ich will diese Disk – hatte ich das schon erwähnt?“
„Schon des Öfteren und ich kann es durchaus nachvollziehen dass man nicht gerne auf ein Vermögen verzichtet aber was nutzt es einem wenn man die Radieschen von unten betrachtet, das Handtuch wirft, ins Gras beißt, hops geht, winke winke macht …“
„… ist ja schon gut. Wir werden mit dem Schiff so nahe wie möglich rangehen und dann die Jäger für das letzte Stück benutzen. Dann kann die SANTA MARIA schnell eingreifen und wir sind trotzdem so diskret wie möglich. Jetzt zufrieden alter Miesepeter.“
Der Turianer wiegte seinen Kopf hin und her, eine Geste die er sich von den Menschen abgeschaut hatte und die ihm zu gefallen schien.
„Nein, aber es hilft ja nichts. Ich werde dich begleiten.“
„Natürlich wirst du mich begleiten. Wird wieder mal Zeit den faulen Hintern zu bewegen bevor was einrostet.“
„Bevor bei mir was einrostet bist du schon lange verfault, Spargeltarzan.“
Strader musste grinsen. Sein alter Freund nahm nie ein Blatt vor den Mund, das war die schätzenswerteste Eigenschaft des Turianers neben den rein praktischen Fähigkeiten. Und Sertarius, einer der Söhne des Oberbefehlshabers der turianischen Heimatflotte war sehr fähig.
„Dann lasst uns mal loslegen bevor er meine Disk an jemand anderen verscheuert.“
Mit diesen Worten setzte sich die SANTA MARIA in Bewegung. Der Flug zu den Terminus Systemen würde nicht lange dauern.
Als das Schlachtschiff das Skepsis-System erreichte wurde die Telemetrie der Spionsonde erneut angemessen.
Das Signal stammte aus dem System Decoris. Dort musste sich auf dem Planeten Laena eine Basis befinden. Die Oberflächentemperatur von 365°C war unschön aber kein Problem für die Jäger. Nur nach draußen gehen wäre weniger ratsam gewesen, denn die Atmosphäre war in Teilen korrosiv und würde die Ausrüstung beschädigen. Eine Andockerlaubnis wäre deshalb sinnvoll.
Strader gedachte sich diese Erlaubnis zu beschaffen. Sieben turianische Jäger verließen Andockbucht Eins und waren kurz darauf nur noch als fahle Lichtpünktchen zu erkennen. Die SANTA MARIA befand sich außerhalb der Systemgrenze und war somit nicht zu orten. Unbehelligt schwenkte das Geschwader in einen geostationären Orbit ein. Genau über der georteten Basis wurde schließlich ein einseitiger Funkkontakt etabliert.
Strader, der hinter Sertarius in einer der Maschinen saß wollte höchstpersönlich für Aufklärung sorgen und auch dafür, dass kein Zweifel mehr am Ernst der Lage bestand.
„Intercetor 1 an die verborgene Basis auf Laena. Wir wissen ganz genau, dass ihr da unten seid. Ihr besitzt etwas, dass eigentlich mir gehören sollte und ich verlange die sofortige Übergabe oder wir werden das Feuer eröffnen.“
Natürlich rührte sich nichts. War ja auch nicht anders zu erwarten. Er musste deutlicher werden.
„Ethan Palan, ich weiß genau, dass sie mich hören. Ich habe eine Frage an sie: Hat ihnen ihr Wein geschmeckt? Wenn ja, dann wird sie sicher interessieren, dass sie ein salarianisches Präparat zu sich genommen haben, dass sie innerhalb einer Woche in eine schleimige Pfütze verwandeln wird.“
Wieder geschah nichts. Auch das war zu erwarten gewesen.
„Wenn sie einen medizinischen Tiefenscan an sich vornehmen, dann werden sie einen kaum bemerkbaren Gamma-Marker in ihrem Blut feststellen. Es handelt sich um einen Nebeneffekt des Toxins. Für den Fall, dass sie noch reden wollen: Wir warten eine Stunde in der aktuellen Position. Zeit genug um einen Scan durchzuführen. Danach werden wir wieder verschwinden. Die Zeit läuft, Palan.“
Fast eine ganze Stunde passierte wieder nichts, bis sich schließlich ein zaghaftes Stimmchen aus dem Intercom meldete.
„Ich stelle sie zu Ethan Palan durch, Sir.“
Gleich darauf wurde es weniger zaghaft.
„Was haben sie Schwein mit mir gemacht? Was wollen sie überhaupt noch und wie haben sie mich gefunden?“
„Das sind sehr viele Fragen. Die einzig entscheidende Antwort ist: Ja, sie werden innerhalb der nächsten Tage zu einem unscheinbaren Hundehäufchen reduziert, was sicherlich eine Verbesserung gegenüber ihrem jetzigen Zustand darstellt aber heute ist ihr Glückstag. Es gibt ein Antitoxin und ich besitze es. Ich erwarte ihre Andockerlaubnis.“
Der potentielle Gastgeber brauchte nicht lange zu überlegen. Schließlich ging es um ein Ende als Hundehäufchen.
„Na schön. Wir schicken einen Leitstrahl. Ich werde sie erwarten. Palan Ende.“
„Er wird etwas aushecken“, gab der Turianer zu bedenken.
„Natürlich wird er das. Einer eurer größten Philosophen hat es einmal passend ausgedrückt: Die Unwägbarkeit ist die Würze des Lebens. Das war vor über siebentausend Jahren. Trotzdem ist es heute noch genauso. Überraschungen machen das Leben doch erst so richtig spannend, findest du nicht?“
„Nein“, war die kurze und aussagekräftige Antwort des Leibwächters.
Das Andockmanöver verlief ohne Probleme. Als die Neuankömmlinge schließlich ausstiegen wurden sie bereits erwartet. Etwa ein Dutzend Gegner standen mit schussbereiten Waffen um das Landefeld. Palan befand sich etwas Abseits. Als er näherkam sah er wenig erfreut aus. Ob es an der Tatsache lag, dass er dieses Geschäft wohl zu Ende bringen musste ob es ihm passte oder nicht oder daran, dass insgesamt dreizehn schwerbewaffnete turianische Sicherheitsleute und ein gut gelaunter Terraner in einer nachtschwarzen Rüstung sich in seiner Anlage befanden, war zunächst unklar. Man konnte auch den salarianischen Giftanschlag noch nicht von der Liste der Verdächtigen streichen.
„Also, wo ist es?“, fragte Ethan Palan gereizt.
Strader schien diesen Ärger seines Gegenübers zu genießen. Trotzdem holte er aus einer Tasche des Kampfanzuges ein kleines Fläschchen heraus.
Sofort legten die Fremden die Waffen an und die turianischen meist Ex-Soldaten taten das Gleiche, nur zielten die auf die Schmuggler.
„Heh! Jetzt wollen wir uns doch gleich mal wieder beruhigen! Wo kann ich die Disk in Augenschein nehmen und auf Echtheit prüfen?“
Palan konnte nicht anders als auf ein offensichtliches Problem hinzuweisen.
„Na, fühlst du dich etwa unwohl? Was sollte uns davon abhalten euch zu erschießen und uns das Zeug zu holen, jetzt wo es schon einmal hier ist?“
„Um deine erste Frage zu beantworten, du widerlicher Strolch, nein, ich fühle mich sogar sehr wohl. Wenn wir jetzt noch eine Tänzerin hätten die aus einer Torte springt, dann könnten wir eine Party feiern. Und zum zweiten Teil, Palan, wird die Phiole vermutlich zerbrechen wenn ihr auf mich schießt und das wäre ärgerlich, denn es gibt nur die eine. Also, können wir nun oder wollen wir noch eine Weile rumstehen und die Aussicht genießen.“
Ethan winkte seinen Leuten, woraufhin diese die Waffen senkten.
„Dann folgt mir. Wir gehen nach unten ins Labor, da könnt ihr eure Disk prüfen. Und ich sehe mir ebenfalls das Zeug in dem Fläschchen an.“
„Na bitte, geht doch.“
Die gemischte Gruppe betrat die Station durch eine Schleuse. Ein Fahrstuhl führte eine ganze Strecke hinunter, es mochten zehn oder auch fünfzehn Etagen gewesen sein. Das Labor zu finden war nicht schwer, denn es war wie üblich eingerichtet. Diagnosestationen, Arbeitstische, Computerkonsolen, Robotgreifer und allerlei anderer Firlefanz stand in dem mittelgroßen Raum herum.
„An Aufräumzwängen scheinen ihre Leute nicht zu leiden“, meinte der turianische Leibwächter zu dem Thema.
Ethan Palan fand das nicht sehr komisch.
„Sehr witzig. Pass nur auf dass sich keiner totlacht.“
„Tot-Lachen wird sich hier bestimmt niemand, Affenarsch! – Vielleicht können wir dann mal anfangen. Mir wird langweilig.“
Dagegen hatte nun wirklich keiner etwas einzuwenden. Strader übergab das Fläschchen mit der durchsichtigen Flüssigkeit an den Schmugglerkönig, dieser den Koffer mit der Disk an den Geschäftsmann.
Wieder fischte jener einen kleinen Gegenstand aus einer seiner Taschen. Es handelte sich diesmal um ein Diagnosegerät mit einem Hyper-Uplink. So konnte es direkt mit der VI der Jäger kommunizieren, die natürlich viel mehr Rechenpower hatten als das kleine Diagnosekästchen je aufbringen konnte. Die Echtheitsanalyse protheanischer Artefakte war ein komplizierter Vorgang. Tatsächlich begann das Kästchen zu blinken und zu rechnen, sobald es an das Relikt angeschlossen war. Mehrere Diagramme und Kurven entstanden als Hologramm darüber an denen man den Fortschritt und die Ergebnisse der einzelnen Diagnoseschritte ablesen konnte. Schließlich er loschen die Hologramme und eine mechanische Stimme verkündete: „Echtheitsanalyse abgeschlossen, Authentizität zu siebenundneunzig Prozent bestätigt.“
Auch Palan hatte inzwischen einen Blick auf das Fläschchen werfen können.
„Komplexe Eiweißverbindungen und Polypeptide. Auf jeden Fall ist es kein Wasser.“
„Gut! Ich denke, wir sind dann Quitt. Wir kehren zu unseren Maschinen zurück und verlassen diesen Planeten wieder. Wiedersehn.“
Strader wollte sich gerade umdrehen und den Raum verlassen als erneut die Waffen klickten.
„Jetzt könnten wir euch doch einfach erschießen, wen würde das wohl stören?“
Der Geschäftsmann atmete hörbar aus. Es war immer das Gleiche. Jedes Mal. Erst wollten sie ihn verarschen und hinterher erschießen. Strader machte sich eine geistige Notiz zu diesem Thema, die lautete: „Merken! Geschäftspartner besser auswählen.“
An Palan gewandt hatte er jedoch andere Themen auf Lager.
„Drei Dinge sprechen wie immer exzessiv gegen diesen doch recht subtilen Plan, wenn ich das mal anmerken darf. Zum Ersten hast du es nicht mit Anfängern zu tun. Meine Leute sind schwer bewaffnet und vom turianischen Militär ausgebildet, was man von deinen Schimpansen nicht behaupten kann. Zweitens: Wenn du mich nicht mit einem Schuss erledigen kannst, und das möchte ich bezweifeln bei einer drei Megawatt Masseneffektbarriere die mich umgibt, dann werde ich dich finden lassen und dann kann man deine Überreste in einer kleinen Tasche herumtragen. Und Drittens handelt es sich bei der Flüssigkeit in der Phiole natürlich lediglich um eine Komponente des Antitoxins, es werden aber zwei benötigt. Es ist ein sogenannter Tox-Inhibitor. Er wird das Gift stark verlangsamen. Sobald ich wieder zurück auf der SANTA MARIA bin sende ich dir die Pläne für einen Virus, der das Gift neutralisieren wird, sobald du ihn injizierst. – Noch Fragen?“
Es gab ein lautes, knallendes Geräusch als der Oberschmuggler seine schwere Pistole an die Wand warf. Man konnte ihm deutlich ansehen, dass es heute nicht sein Tag war.
„Wer garantiert mir denn, dass es echt ist. Vielleicht sterbe ich ja trotzdem.“
„Du stirbst ganz sicher aber weder heute noch morgen. Erinnert dich diese Situation an eine die vor Kurzem stattfand? Sieht wohl so aus als ob du dieses Mal mir vertrauen musst und das ist, nebenbei bemerkt, weitaus lukrativer als umgekehrt. Wieso sollte ich außerdem einen Lieferanten außergewöhnlicher Gegenstände ausrotten. Dann müsste ich mir ja jemand anderen suchen.“
Ethan Palan überlegte, kam aber immer wieder zu dem gleichen Schluss – Geschäftsrisiko.
„Also gut! Verschwindet und lasst euch hier nie mehr blicken! – Raus hier und vergesst nicht mir die Pläne zu schicken, verstanden?“
Eltana T’Kary betrachtete die Disk neugierig. Sie hob sie ans Licht und wog sie in der Hand.
„So viel Ärger deswegen. Wissen wir denn schon was sich darauf befindet?“
Strader, der es sich in einem der bequemen Sessel in seinem Büro gemütlich gemacht hatte, zeigte auf ein neues Gerät, welches an einen runden Holotisch erinnerte.
„Leg sie in den Transferstrahl des Dechiffrierers. Er wird die Disk abtasten und die Informationen umwandeln.“
Die Asari brachte das Artefakt hinüber und legte es auf die Mitte der runden Platte. Sofort wurde die Disk in die Höhe gehoben und schwebte dann schließlich etwa zwanzig Zentimeter in der Luft. Eine Reihe von Lichtern blinkte und dann wurden die Informationen, welche seit Jahrtausenden auf dem Datenträger gespeichert waren wiedergegeben.
Es hörte sich wie eine leise Harfe an, zwischen die man Glöckchen gemischt hatte. Eltana verspürte eine leichte Müdigkeit und gleichzeitig große Zufriedenheit. Sie musste sich ebenfalls hinsetzen.
„Musik?“, fragte Eltana versonnen, dabei wirkte sie vollkommen entspannt und gelöst.
Der terranische Geschäftsmann nickte.
„Eine Sammlung protheanischer Wiegenlieder aus der zweiten Ära, also entstanden vor über siebzig tausend Jahren. Die biotischen Wellenfronten die von der Disk erzeugt werden haben eine beruhigende Wirkung, da sie direkt im menschlichen Gehirn die Produktion von Serotonin anregen, welches unter Anderem im synaptischen Spalt als Neurotransmitter fungiert. Was es im Asari-Gehirn oder bei Turianern tut weiß ich noch nicht, die Wirkung ist aber ähnlich. Der Schluss liegt nahe, dass es eine Art übergeordnete Energieform des Quantenraumes stimuliert. Es ist höchst faszinierend.“
„Es ist also nichts wirklich Wertvolles?“
Strader musste lächeln.
„Hundertzwanzig Millionen wert, um genau zu sein. Kulturelle Güter kann man nicht direkt als Waffe oder Energiequelle verwenden aber genau das macht sie so wertvoll, ihre geradezu naturgegebene Wertlosigkeit.“
„Also das verstehe ich nicht.“
Die Asari verstand es wirklich noch nicht, das sollte sich jedoch gleich ändern.
„Pläne für Waffen, Energiequellen, Computersysteme und allerlei technologischen Kram bewahrt man normalerweise gut auf. Alles wird mehrfach gespeichert und verschlüsselt an sicheren Orten versteckt. Allgemeines Kulturgut nicht. Es ist öffentlich zugänglich und meist nicht sehr gut geschützt. So auch in diesem Fall. Der Datenträger wurde beschädigt. Wäre das mit einem mehrfach verschlüsselten Hochsicherheitsdatenträger passiert, dann hätten wir ihn wegwerfen können, da die Verdrehung eines einzelnen Bits bereits eine Entschlüsselung verhindert, selbst wenn man den Code kennt. Der Schaden ist zumindest bei protheanischen Geräten rekursiv und das ist auch so gewollt. Die Zerbrechlichkeit der Disk hat außerdem dazu geführt, dass sie die einzige ist, die noch Informationen enthält, alle anderen Speichermedien aus dieser Epoche, die vermeintlich wertlose Daten enthalten haben sind unleserlich. Sie ist ein absolutes Unikat mit einem Mehrwert.“
„Von welchem Mehrwert sprichst du?“
„Nun, die beruhigende und entspannende Wirkung hat sie auch auf Kroganer. Wenn es uns gelingt die biotischen Felder der Disk zu kopieren werden wir die Genophage unnütz machen. Wir verwandeln die Kroganer in Wesen, die ihre aggressiven Neigungen kontrollieren können. Wie wertvoll ist das?“
Die Asari war viel zu entspannt um auch noch nach den monetären Vorteilen zu fragen, Sekunden später war sie eingeschlafen.
ENDE
